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Kirche klingt

Aus dem Vorwort:

„Davon ich singen und sagen will...“, heißt es in Martin Luthers weithin bekanntem Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“. Darin drückt sich eine Gleichrangigkeit des gesungenen mit dem gesprochenen Wort aus, der für das evangelische Glaubensverständnis grundlegende Bedeutung zukommt. Am gesungenen Gotteslob sollen alle Glaubenden Anteil gewinnen; in diesem Sinn gibt es ein gesungenes Priestertum aller Getauften. Für Martin Luther, den Schöpfer des protestantischen Kirchenliedes, war der Gesang eine der zentralen Ausdrucksformen des Evangeliums; im Singen wie im Sagen drückt sich aus, dass der Glaube aus dem Hören kommt. Religiöse Musikalität ist daher für den Protestantismus von seinen Anfängen an mit dem Gesang verbunden. Luther schreibt: „Ich gebe nach der Theologie der Musik die nächste Stelle und die höchste Ehre.“ Die Zusammengehörigkeit von Wort und Musik prägt die evangelische Frömmigkeit und den evangelischen Gottesdienst auf besondere Weise.

Zugleich nimmt evangelische Kirchenmusik einen ganz eigenen Bildungsauftrag wahr. Kirchenmusik schult eine elementare Hör- und Ausdrucksfähigkeit, die immer auch Hör- und Ausdrucksfähigkeit füreinander ist. Zuhören, Mithören und Aufeinanderhören sind Kardinaltugenden gelingenden Musizierens. Es gehört zum Wunder der Musik, dass weltanschauliche und persönliche Differenzen durch gemeinsames Musizieren in einen veränderten, ja in einen gemeinsamen Horizont rücken. Wer musizieren gelernt hat, für den ist Gemeinschaft kein Fremdwort. [...]

Download als PDF-Datei: www.ekd.de/download/ekd_texte_99.pdf

Letzte Änderung am: 18.08.2015